{"id":80,"date":"2008-05-21T18:11:51","date_gmt":"2008-05-21T16:11:51","guid":{"rendered":"http:\/\/juerges.eimuth.de\/?p=80"},"modified":"2008-05-21T18:11:51","modified_gmt":"2008-05-21T16:11:51","slug":"erst-ramstein-fuhrte-bundesweit-zum-umdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.familie-juerges.de\/?p=80","title":{"rendered":"Erst Ramstein f\u00fchrte bundesweit zum Umdenken"},"content":{"rendered":"<p style=\"border: none; padding: 0cm; margin: 0.13cm;\">\u00a0Frankfurt (epd). Pfingstsonntag, 22. Mai 1983: W\u00e4hrend einer Flugschau auf dem milit\u00e4rischen Teil des Rhein-Main-Flughafens st\u00fcrzt ein kanadischer Starfighter in H\u00f6he des Waldstadions ab. W\u00e4hrend sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten kann, treffen brennende Wrackteile den Wagen der Pfarrersfamilie J\u00fcrges, die zuf\u00e4llig vorbeif\u00e4hrt. Martin J\u00fcrges (40), seine Frau Irmtraud (38), seine Mutter Erna (77) und seine beiden Kinder Katharina (1) und Jan (11) sind auf der Stelle tot; die 19-j\u00e4hrige Nichte Gesine Wagner stirbt 81 Tage sp\u00e4ter an ihren schweren Verbrennungen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 0.13cm; margin-bottom: 0.13cm; border: none; padding: 0cm;\">Die Nachricht vom tragischen Schicksal der Familie sorgte im Freundeskreis und in der evangelischen Gutleutgemeinde im Bahnhofsviertel f\u00fcr l\u00e4hmendes Entsetzen und tiefe Trauer. \u00bbIch konnte es nicht glauben. Also rief ich in meiner Verzweiflung im Flughafen an, um zu fragen, ob es \u00fcberhaupt stimmt\u00ab, erinnert sich Kurt-Helmuth Eimuth, ein enger Freund der Familie. Auch Karsten Petersen, Freund und Pfarrer der benachbarten Wei\u00dffrauengemeinde, war \u00bbv\u00f6llig geschockt\u00ab, als er die schrecklichen Bilder im Fernsehen sah.<\/p>\n<p>Martin J\u00fcrges war seit 1982 Pfarrer im Gutleutviertel. Die meisten Bewohner waren \u00c4ltere und Alte, Ausl\u00e4nder und sozial Schwache. Und f\u00fcr alle hatte er ein Ohr. \u00bbIhm war daran gelegen, die Lebensbedingungen im Viertel zu verbessern\u00ab, schildert Eimuth. Er habe sich unter anderem f\u00fcr das kommunale Wahlrecht von Ausl\u00e4ndern und f\u00fcr Drogenabh\u00e4ngige eingesetzt. \u00bbMartin und ich haben in Ortsbeiratssitzungen regelm\u00e4\u00dfig mitdiskutiert und sind dabei nicht selten angeeckt\u00ab, erg\u00e4nzt Petersen.<br \/>\nDie erste Todesanzeige, die am 24. Mai erschien, stammte von \u00bbdeutschen und ausl\u00e4ndischen Bewohnern des Gutleutviertels\u00ab. Darin hie\u00df es unter anderem: \u00bbMartin J\u00fcrges war seinen Mitmenschen ohne Ansehen des Alters, des Standes, der Religion und der Nationalit\u00e4t verbunden. Er gab ihnen Halt.\u00ab<\/p>\n<p>Zusammen mit dem stellvertretenden Kirchenpr\u00e4sidenten Helmut Spengler und Dekan Hermann Strohmeier hielt Petersen am Pfingstmontag einen Gottesdienst in der Gutleutkirche. In seiner Predigt w\u00fcrdigte der Dekan aber nicht nur den Gemeindepfarrer Martin J\u00fcrges, sondern auch den \u00bbK\u00e4mpfer f\u00fcr den Frieden ohne Waffen\u00ab, der nun \u00bbmitten im so genannten Frieden\u00ab ein Opfer jener Waffen geworden sei, vor denen er ein Leben lang gewarnt habe.<\/p>\n<p>Der damalige Frankfurter Propst Dieter Trautwein stellte am 30. Mai im Trauergottesdienst in der Katharinenkirche die Frage nach dem \u00bbWarum?\u00ab Es sei unertr\u00e4glich, dass gerade diese Familie \u00bbOpfer menschlicher Machtdemonstration\u00ab geworden sei. Viele der 2000 Trauerg\u00e4ste trugen auf dem Weg zum Oberr\u00e4der Waldfriedhof das violette Halstuch der Friedensbewegung.<\/p>\n<p>J\u00fcrges&#8216; friedenspolitisches Engagement war eng verbunden mit seiner Zeit als Stadtjugendpfarrer von 1975 bis 1981. In dieser Funktion und als Vorsitzender des Frankfurter Jugendrings pr\u00e4gte er die Jugendpolitik der Stadt. Eimuth: \u00bbMartin J\u00fcrges war eine charismatische, durchsetzungsf\u00e4hige Pers\u00f6nlichkeit. Und er war glaubw\u00fcrdig \u2013 auch f\u00fcr diejenigen, die die Institution Kirche schon l\u00e4ngst abgeschrieben hatten.\u00ab<\/p>\n<p>Das tragische Ungl\u00fcck lie\u00df nicht nur in Frankfurt, sondern in der ganzen Bundesrepublik die Forderung nach einem Verbot milit\u00e4rischer Schaufl\u00fcge laut werden. Es habe danach mehrere Gespr\u00e4che zwischen Kirchenvertreten und den Verantwortlichen in der Air-Base gegeben, die jedoch sehr unerquicklich gewesen seien, schildert Petersen. Die Milit\u00e4rs h\u00e4tten darauf beharrt, dass selbst Schaufl\u00fcge einen \u00dcbungseffekt h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"border: none; padding: 0cm; margin: 0.13cm;\">In Detmold, wo Martin J\u00fcrges geboren wurde und seine ebenfalls get\u00f6tete Nichte lebte, sammelte eine B\u00fcrgerinitiative mehr als 7000 Unterschriften gegen Schau- und Tieffl\u00fcge \u00fcber bewohnten Gebieten. Trotzdem blieb auch der damalige christdemokratische Verteidigungsminister Manfred W\u00f6rner stur und bezeichnete solche Fl\u00fcge als \u00bbabsolut notwendig\u00ab. Erst nach der Katastrophe von Ramstein f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, bei der 67 Menschen starben, wurde der t\u00f6dliche Nervenkitzel aufgegeben.<br \/>\nDie Erinnerung an die Pfarrersfamilie ist in Frankfurt auch 25 Jahre nach ihrem Tod lebendig. Das Haus der Gemeinde in der Gutleutstra\u00dfe 131 tr\u00e4gt den Namen von Martin J\u00fcrges, und beim Beh\u00f6rdenzentrum hinter dem Hauptbahnhof befinden sich ein Gedenkstein und der \u00bbFamilie-J\u00fcrges-Platz\u00ab.<\/p>\n<p style=\"border: none; padding: 0cm; margin: 0.13cm;\">21.5.2008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Frankfurt (epd). Pfingstsonntag, 22. Mai 1983: W\u00e4hrend einer Flugschau auf dem milit\u00e4rischen Teil des Rhein-Main-Flughafens st\u00fcrzt ein kanadischer Starfighter in H\u00f6he des Waldstadions ab. 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